Ludwigskirche in Saarbrucken

Sankt Peterburg
Leben an der Grenze - Mitten in Europa. Aus der Geschichte lernen

Text von Christine Weirich

Anfang September 2008 hat eine Gruppe der WOG den Nordkaukasus bereist. Das Ziel der Reise war, die Völker und Kulturen der Kaukasus-Region besser verstehen und die sich aufgrund der Völkervielfalt im Kaukasus ergebenden Spannungen kennen zu lernen. Die Gruppe besuchte hauptsächlich Karatschai-Tscherkessien - die im Nordkaukasus an der Grenze zu Georgien gelegene und mit gewissen politischen und administrativen Autonomierechten ausgestattete Teilrepublik Russlands mit ca. 430.000 Einwohner und fünf größten Volkgruppen, deren Interessen im politischen Leben der administrativen Einheit berücksichtigt werden.

Gesamtschule NeunkirchenIm September 2009 fand nun ein Gegenbesuch aus Karatschai-Tscherkessien im Saarland statt. Regionalparlamentsabgeordnete und Kulturschaffende aus der nordkaukasischen Vielvölkerregion waren eine Woche lang in dem saarländisch-lothringischen Grenzraum unterwegs. Das vielfältige Besucherprogramm ermöglichte ihnen Einblicke in das kulturelle und politische Leben im Saarland und in die Entwicklung des heute gut nachbarschaftlichen Verhältnisses mit dem ehemaligen deutschen „Erbfeind“ Frankreich.

Gleich am ersten Tag ihrer Visite besuchten die Gäste die Gesamtschule Neunkirchen, die einen Schulaustausch mit Karatschai-Tscherkessien anstrebt. Die Besucher aus dem Nordkaukasus fanden die saarländische Schule als eine offene und lebendige Bildungseinrichtung vor. Beide Seiten zeigten sich an einem Schulaustauschprojekt sehr interessiert. Um eine langfristige Schulpartnerschaft anbahnen zu können, verabredeten sie sich, ein Lehrer- und Elterntreffen mit einer der in Frage kommenden Schulen in Karatschai-Tscherkessien zu organisieren.

Am nächsten Tag stand ein Besuch mit dem Saarbrücker Bürgermeister Kajo Breuer (die Grünen) bevor. Im Saarbrücker Rathaus fand eine gegenseitige Vorstellung und viele Gespräche über eine Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Region statt. Auch über das Phänomen „QuattroPole“ wurde viel diskutiert. Metz, Luxembourg, Saarbrücken und Trier bilden eine Region mit hohem wirtschaftlichen und kulturellen Potenzial, die auch beim Besuch aus Karatschai-Tscherkessien sehr im Interesse stand.

Empfang bei der SPD-Stadtratsfraktion SaarbruckenAnschließend wurde das saarländische Weltkulturerbe, die Völklinger Hütte, besichtigt. Auf eine Einladung der Linken Stadtratsfraktion in Völklingen wurde zuerst die saarländische Sehenswürdigkeit erkundet und dann folgte ein Treffen der Stadtratfraktion im Rathaus Völklingen. Hier erfuhren die Gäste aus dem Kaukasus vom Leben in einer ehemaligen Montanstadt und den Problemen nach der Stilllegung der Hauptindustrie: damals folgten hohe Arbeitslosigkeit, Umstrukturierung und Reorganisationen.

Sonntags ging der Ausflug  in eins der vier „QuattroPole“ Regionen, nach Trier, der ältesten Stadt Deutschlands. Dort waren die Besucher überwältigt von dem Überbleibsel aus dem Römischen Reich, der gewaltigen Porta Nigra. Auch der Dom stieß bei Gruppe auf Bewunderung und bescherte ihnen einen tollen Eindruck der geschichtlichen Vergangenheit dieser Region.

An einem weiteren Tag wurden die Nordkaukasier von der SPD-Stadtratsfraktion im Saarbrücker Rathaus empfangen. Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion Saarbrücken, Ralf Latz, freute sich über den Besuch. In dem intensiven Gespräch ging es vor allem um das Leben in einer Grenzmetropole in unserer Region, und es wurden Vergleiche zur kaukasischen Heimat der Besucher gezogen.

Ein weiteres politisches Treffen fand danach mit den führenden saarländischen Politkern der Partei die Linke statt. In der Peter-Imandt-Gesellschaft in Saarbrücken begegnete die Gruppe den Landtagsabgeordneten. Der Kulturbeauftragte der Linken, Lothar Schnitzler, interessierte sich unter anderem sehr für die politische und kulturelle Lage im Kaukasus. Aber auch die saarländischen innenpolitischen Themen wurden angesprochen.

Mit der Saarbahn uber die Grenze nach SarregueminesAls Symbol für ein grenzüberschreitendes Zusammenleben unternahm die Gruppe eine Fahrt mit der Saarbahn nach Frankreich. Zuerst ging es nach Sarreguemines, eine französische grenznahe Stadt. Sie weist französischen Flair auf und erinnert an einigen Stellen an die Zeit, als dieser Teil Lothringens nach dem Krieg 1870-1871 dem deutschen Kaiserreich zugeschlagen wurde. Weiter ging die Fahrt dann nach Bitche zu der "Citadelle de Bitche" – einer Festung, die als Andenken an die kriegerische Vergangenheit zwischen Deutschland und Frankreich erinnern soll.

Zum krönenden Abschluss besuchte die Gruppe aus dem Nordkaukasus das Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel. Der Leiter des Bildungszentrums Erwin Irmisch erklärte den Gästen den Nutzen solch einer Einrichtung und die Geschichte ihrer Entstehung. Er stand den Besuchern gerne Frage und Antwort. Die Gäste waren erstaunt, als sie erfuhren, dass es die Arbeitskammer in Deutschland nur in den zwei kleinsten Bundesländern gibt (im Saarland und in Bremen). Die kaukasischen Besucher waren begeistert von einem Ort, an dem Arbeiter und Angestellte ihr Allgemeinwissen vertiefen und ihren Bildungsstand erhöhen können.

Im Ergebnis der Begegnung waren sich die Projektbeteiligten einvernehmlich einig, dass die Zusammenarbeit unbedingt fortgesetzt werden soll. „Zum Wohl der Regionen“ – wie es so trefflich Achmat Ebzeev, Leiter der Delegation aus Karatschai-Tscherkessien, zum Ausdruck gebracht hat. Als nächstes wollen die Partner ein Schulaustauschprojekt anpacken. Die Gesamtschule Neunkirchen bereitet sich schon jetzt auf die Begegnung im Nordkaukasus vor. Der Lehrer dieser Schule, Ralph Schmidt, freut sich über die rege Nachfrage nach der wieder eingeführten Russisch-AG: "Wir hoffen, dass die Schüler bei ihrem Besuch im Nordkaukasus ihre in der AG erworbenen Russisch-Kenntnisse vertiefen können und in den Nordkaukasiern gute Freunde finden werden."

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Dieses Projekt wurde von der Stiftung West-Östliche Begegnungen gefördert. Die gemeinnützige Stiftung West-Östliche Begegnungen fördert vielfältige Begegnungen mit allen Ländern der GUS und den baltischen Staaten, die dem Auf- und Ausbau von längerfristigen Partnerschaften und Beziehungen ihrer Bürger dienen. Insgesamt hat sie in den vergangenen 14 Jahren rund 3.800 Projekte im Schüler, Jugend- und Kulturaustausch, als Bürgerbegegnungen und im Rahmen kommunaler Partnerschaften unterstützt und dafür 8.8 Mio. EUR zur Verfügung gestellt.

Im Mittelpunkt der geförderten Maßnahmen stehen die direkten Begegnungen zwischen Menschen aus Deutschland und den genannten Ländern, die als themen- oder projektbezogene Aktivitäten stattfinden.

West-Ost-Freundschaftsgesellschaft im Saarland e.V., Geranienstr. 35, D-66265 Heusweiler
Projektpartner
   
Saarland

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