Ein Bericht von Roman Sauer, veröffentlicht im Februar 2009.
Dienstag, 09.09.2008
Gemeinsames Frühstück in unserem Cafe. 10:00 Treffen vor dem Hotel mit Achmad - Kasi und unserem Fahrer des heutigen Tages.
Kasi schenkt mir ein von ihm selbst geschriebenes Buch über die Kämpfe der deutschen Gebirgsjäger im Kaukasus. Anschließend brechen wir auf zu unserer ersten Tour in die kaukasische Bergwelt. Sc hon kurz hinter der Stadtgrenze sehen wir die ersten Ausläufer des Hochkaukasus. Eindrucksvolle Landschaften ziehen an uns vorüber. Die Berge werden größer und höher, je weiter wir in die Bergwelt vordringen. Ich bin tief beeindruckt: So oder ähnlich müssen auch die alten Kameraden 1942 empfunden haben, nur mit dem Unterschied, dass sie ungewollt dorthin geschickt wurden. Gott sei dank, dürfen wir dies alles unter glücklicheren Umständen erleben und genießen. Die erste Rast ist bei einem kleinen Geschäft. Hier decken wir uns mit ein paar Leckereien und erfrischenden Kaltgetränken ein. Unser erster offizieller Halt ist an einer alten Holzbrücke. Unter ihr rauscht der wilde Kuban durch's Tal.
In unmittelbarer Nähe eine kleine alte Bergsiedlung. Bewohnt, unbewohnt???
Die Örtlichkeit heißt wohl “Êàìèí êàðóí“.
Der nächste Halt wird auf einer leichten Anhöhe bei einem muslimischen Friedhof eingelegt. Diese Örtlichkeit nennt sich “Êàðò äæóðò“. Die Grabanlagen hier sind zum Teil schon recht alt, aber auch einige neuere Grabstätten sind zu sehen. Und wieder rauscht im Tale der Kuban vorbei. Pferde grasen an seinen Ufern. Leider ist das Wetter zur Stunde nicht so angenehm, eher sehr nass. Aber das schreckt uns nicht. Achmad versorgt uns mit einheimischen Früchten und Beeren. Beim Militär würde man das wohl “Leben aus der Natur“ nennen. Nach diesen neuerlichen Eindrücken geht die Fahrt weiter zu unserer für heute letzten Station “Õóðçóê“. Dort wandern wir zwischen Kühen, Pferden, “zahlreichen Tretminen“ und zwischen aufgeschichteten Steinhaufen, welche in ihrer Anlage die Umrisse von hier ehemals stehenden Gebäuden darstellen. Abgesehen davon hat man von hier, von dem erhöhten Standpunkt einen super Panoramablick über ein vor uns liegendes Tal, durch welches der Kuban rauscht sowie auf unzählige bewaldete Anhöhen und Gipfel der kaukasischen Bergwelt. Am späten Nachmittag treten wir den Rückmarsch an, allerdings nicht ohne unterwegs noch einen Stop einzulegen. Dort wanken wir im warsten Sinne des Wortes über eine mit rostigen alten Drahtseilen gesicherte Hängebrücke von Ufer zu Ufer. (Ó÷êóëàí). Und unter uns rauscht der Kuban. Aber auf eben diesem jenseitigen Ufer laben wir uns an einer sprudelnden Quelle, deren Wasser angeblich “heilende Kräfte“ besitzen soll. Nach den ersten Schlucken kann ich persönlich allerdings wenig heilendes an dem Geschmack finden, wohl eher das Gegenteil.
Zur frühen Abendstund kehren wir noch in ein kaukasisches Restaurant ein, welches malerisch, wie sollte es auch anders sein, natürlich am Ufer des wildrauschenden Kuban
liegt. Im Hintergrund läuft russische Schlagermusik (ach, kakaja schentschina) und so lassen wir den heutigen Tag am reichlich gedeckten Tische ausklingen. Schon bei Dunkelheit kehren wir wieder in unser Hotel zurück. Dort trinken wir erst einmal im Zimmer gemeinsam ein Bierchen. Später wandern wir noch ins Cafe MIR um auch dort noch ein Bier zu trinken. Auf dem Rückweg werden wir von einer Art russischen Grenzpolizei kontrolliert. Die können in der vor Ort herrschenden Dunkelheit unsere Ausweise aber eh nicht lesen, der deutsche Ausweis von Jens wird fast ungesehen zurück gegeben. Das ich den Meinen heute Abend im Hotel vergessen habe, ist völlig ohne Belang. Hier ging es wohl nur um Abzocke. Aber die Burschen haben nicht damit gerechnet, das Waldemar ein Russisch sprechender Mensch ist.
Pech gehabt !!! Ca. 01:00 schließe ich meine Augen zum wohlverdienten Schlafe zu.
Mittwoch, 10.09.2008
Gemeinsames Frühstück in unserem Cafe.
Nun weiß ich auch endlich, wie die kleine rothaarige Bedienung heißt: Katja.
Nach dem Frühstück gehen wir mal rüber ins Büro der KPRF und unterhalten uns eine Weile mit dem Stadtsekretär Dimitri Burolov. Waldemar muss wie immer als Dolmetscher herhalten. Zweifellos alles sehr interessant, teilweise auch für mich. Aber irgendwann ertrage ich es nicht mehr, außerdem fallen mir schon vom langen rum stehen im Kommunistenbunker die Augen zu. Um ungeschoren raus zu kommen, schlage ich vor, schnell noch ein paar Fotos zur Dokumentation zu machen, u. a. vor der roten Fahne. Anschließend gehe ich raus an die frische Luft, setze mich vor unser Frühstückscafe, schreibe noch meinen gestrigen Bericht zu Ende und entspanne mich dabei auch etwas. Als die beiden endlich rauskommen, lade ich zum Kaffee in “unser Cafe“ ein. Kaum sitzen wir am Cafetisch, diskutieren die beiden wieder über die Politik. Sicherlich manchmal auch für meine Ohren interessant, aber es nervt und ermüdet mich manchmal sehr, da ich ja nicht der sehr politisch interessierte bin. Waldemar erzählt von seiner Zeit als Komsomolzsekretär und Jens über seine Meinung zu den Linken. Zu diesen “Geschichten“ ertappe ich mich allerdings doch als ein interessierter Zuhörer. Später trennen sich unsere Wege vorerst. Die beiden suchen ein Internetcafe auf, ich gehe wieder ins Fotogeschäft um Fotos für Olga und Marina nachmachen zu lassen, anschließend noch in einen Buchladen, um russische Glückwunschkarten zu kaufen. Von dort begebe ich mich zurück zum Hotel, um etwas auszuruhen. Am frühen Nachmittag gehen wir denn in das “Freiluftcafe“ im Stadtpark. Wir bestellen uns Bier und Essen. Ich sehe hier vier kleine süße schwarze Hunde. Die locke ich natürlich sofort an unseren Tisch um etwas mit den kleinen zu spielen. Während des Essens werden wir von einem waren Wolkenbruch überrascht und müssen zweimal die Sitzplätze wechseln, bevor wir endlich im trockenen weiter essen können. Da der Regen nicht aufhören will, fahren wir mit dem Taxi zurück zum Hotel. Waldemar möchte früh schlafen gehen. Jens und ich gehen noch in Biercafe zu Jeanna ein Bier trinken. Als wir zurück kommen, sitzt der müde Waldemar da im Clubsessel und flirtet mit der Etagenfrau. Ich schaue mir mit Jens noch ein paar Fotos an. Anschließend begeben wir uns denn auch zur Nachtruhe.
Donnerstag, 11.09.2009
Um 08:00 treffen wir uns mit Kasi, Achmad und unserem heutigen Fahrer vorm Hotel. Begeben uns wieder in die kaukasische Bergwelt. Unsere erste Station auf einem Hochplateau
erreichen wir nach ei ner schauderlichen Bergauffahrt. Fürchterliche Wegeverhältnisse auf dem Weg zu diesem Hochplateau. Schlamm und Geröll ohne Ende, doch dank des geschickten Fahrers erreichen wir wieder ohne anzuschieben oder zu schaufeln unser Ziel. Die mühsame Anfahrt wird belohnt durch einen grandiosen Ausblick. Abgesehen davon weiden hier in luftiger Höhe riesige Viehherden (Kühe, Schafe, Pferde). Kasi ist nur noch am erklären und Waldemar nur noch am dolmetschen. Er kommt kaum selbst noch dazu zu fotografieren. Diese Station war sehr beeindruckend. Weiterfahrt zum nächsten Ziel in den Bergen, allerdings nicht ganz so hoch, aber dennoch ebenfalls mit einem grandiosen Ausblick in die Bergwelt. Wir befinden uns jetzt bei der Sentinkapelle. Anschließend fahren wir weiter zur dritten Station, einem am Fuße des Chluchorpasses gelegenen Bergsee. Kristallklares Wasser und wieder einmal mehr einen berauschenden Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Kaukasusberge. Übrigens nimmt Waldemar hier ein Bad in den kalten Fluten des Bergsees. Kasi erzählt uns, das er als junger Bergsteiger in den Bergen einen toten deutschen Gebirgsjäger samt MP gefunden habe.
Unsere letzte Station führt uns in den Wintersportort Dombai. Während unseres dortigen Spazierganges treffen wir Wolodja aus Tscherkessk. Auch hier bietet sich eine wunderschöne Sicht auf die schneebedeckten Berge des Kaukasus. Hier in Dombai werden wir von unseren Gastgebern mit kaukasischen Filzhüten beschenkt. Auf dem Weg zurück zum Auto überqueren wir einen rauschen Gebirgsfluss (ist das immer noch der Kuban?)
Den gemeinsamen Ausklang verbringen wir in einem kaukasischen Restaurant, wie vorgestern, an der Ufer des Kubanflusses.
Zurück in Tscherkessk geht Waldemar in ein Internetcafe, Jens und ich noch auf ein Bier zu Jeanna, später gesellt sich Waldemar noch zu uns.
Mache am späten Abend noch ein paar Nachtfotos vom Hotel, sichte die heutigen Fotos, schreibe meinen Tagesbericht und gehe schlafen.
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